Konrad Beikircher - "500 jahre falscher Glauben" - Kabarett

„500 Jahre falscher Glauben“. Manchmal ist es kurios, wie ein Programm entsteht, und passt doch genau in die Klischees: Wir Kleinkünstler, Nachkommen der Hofnarren und des fahrenden Volks, wie Hüsch immer sagte, gelten ja heutzutage als die Welterklärer schlechthin. Ich glaube aber eher, dass das so ist: Wir wissen nix, können aber alles erklären. Ich hatte nie im Traum daran gedacht, dass ich mal was über Martin Luther erzählen würde, meine Domänen sind ja klassische Musik, Literatur, Sprache und Dialekte, da geht das Telefon und es kommt von einem Geistlichen die Frage, ob „Der Beikircher“ nicht zehn Minuten was zum 5oo. Jahrestag des Thesenanschlags in Wittenberg machen könnte. Aha. Also Luther. Für einen, der katholisch aufgewachsen ist, in Südtirol, wo man Luther eher für ein Bier hält („Luther – das Bier mit Bäffchen “ und „Protestier mit Luther Bier!“), eine ungewöhnliche Anfrage. Aber reizvoll. Also sage ich zu und knie mich hinein. Und weil ich so ein Renaissance-Freak bin und weil ich so ein Geschichten-über-Päpste-Fan bin und weil ich mir dachte, wenn einer Augustiner-Mönch war, wird er schon kein schlechter Kerl gewesen sein und weil es mir immer schon Spaß gemacht hat, ein bisschen über „Protestanten“ zu frotzeln, ich meine: Die haben ja auch die Marotte erfunden, abends nur kalt zu essen, was jedem, der italienisches Feeling lebt, ein Gräuel ist, „Abendbrot“, ph!, wie kann man ein eh schon Genuss-feindliches Wort auch noch wörtlich nehmen!?, weil das alles so ist, habe ich 5o Kilo Luther-Bücher gekauft, mir seine Tischgespräche neben den Teller gelegt (ich esse nämlich auch abends gerne warm!!!) und ab ging die Reise in den evangelischen Urknall. Gleichzeitig aber kam immer mehr der Gedanke hoch, dass es langweilig wäre, nur zu frotzeln und dass ich bei diesem Thema schon auch wirklich Position beziehen muss. Also stand ich da und kam nicht drumherum, beide Seiten mit dem Weihwasserschwengel und mit der Narrenklatsche zu bedenken. Ich merkte, dass ich mich mit meinen Überlegungen zu Luther und 5oo Jahren falscher Glauben nicht zu verstecken brauche. Ich finde: Ein Himmel, in dem man nicht lachen darf, wäre nix für mich. Und weil ich gläubig bin und weil ich heiter bin, lasse ich mir den Glauben an einen souveränen, humorvollen Herrgott nicht nehmen. Oder, wie mein Papa immer sagte: „Gott wäre ein armes Herrgöttle, wenn er zwischen Katholiken und Protestanten unterscheiden würde!“. Oder, wie es im Barock auf jedem zweiten Grabstein stand: „Ich bin, ich weiß nicht, wer, Ich komm, weiß nicht, woher, ich geh, weiß nicht, wohin, mich wundert, dass ich so fröhlich bin“ Ich wünsch‘ viel Spaß!" (Konrad Beikircher)

Foto: palmpictures





Veranstalter:

Straße:
Hauptstraße 129
PLZ/Ort:
40764 Langenfeld


Termine:

07. Februar 2018 20:00 Uhr - 23:00 Uhr





Veranstaltungsort:

Schaustall
Straße:
Winkelsweg 38
PLZ/Ort:
40764 Langenfeld








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