COVID-19: Bürgermeister Frank Schneider zur aktuellen Situation in Langenfeld

Veröffentlicht am: 13.01.2021
Bürgermeister Frank Schneider

Liebe Langenfelderinnen und Langenfelder,

erneut ist in dieser Woche der Inzidenzwert im Kreis Mettmann über die 200er Marke geklettert, in Langenfeld haben wir mit aktuell 146 positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen darüber hinaus den bisherigen Höchstwert für unsere Stadt erreicht. Dazu trägt leider auch das Infektionsgeschehen in zwei Langenfelder Senioreneinrichtungen bei, in denen wir mehrere infizierte Bewohnerinnen und Bewohner zu beklagen haben.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat am Montag für einige Kreise mit einem Inzidenzwert von über 200 Maßnahmen erlassen, die über die Coronaschutzverordnung hinausgehen. Dazu gehört die sogenannte „15-Kilometer-Regelung“, also die Einschränkung des erlaubten Bewegungsradius auf maximal 15 Kilometer vom Wohnort aus. Ziel ist es, mit diesen zusätzlichen Maßnahmen den Inzidenzwert zu senken.

Gemeinsam mit dem Landrat und vielen meiner Kolleginnen und Kollegen in den Rathäusern des Kreises Mettmann bin ich der Meinung, dass uns diese Bewegungseinschränkung nicht zum Ziel der Reduzierung des Infektionsgeschehens führen wird. Wir sind davon überzeugt, dass dort Maßnahmen ergriffen werden müssen, wo die Mehrzahl an Infektionen nachgewiesen wird. Dies ist im Kreis Mettmann, und wie eingangs erwähnt, auch in Langenfeld aktuell in Senioreneinrichtungen der Fall.

Aus diesem Grund wird der Kreis Mettmann in enger Abstimmung mit den Verwaltungsspitzen der zehn kreisangehörigen Städte eine Allgemeinverfügung auf den Weg bringen, die die Begrenzung der erlaubten Kontakte zu den Menschen in den Senioreneinrichtungen zum Inhalt hat. Dies geschieht vor allem zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner, die als Haupt-Risikogruppe für einen schweren Krankheitsverlauf mit diesem tückischen Virus gelten. Die notwendige Genehmigung dieser Verfügung durch das Land Nordrhein-Westfalen wird vom Kreis Mettmann eingeholt.

Wie wichtig und entscheidend diese gezielten Maßnahmen in den Einrichtungen sind, zeigt auch der sorgenvolle Blick auf die Belegung der Kliniken im Kreis und in der Umgebung. Die ohnehin schon angespannte Belegungssituation droht auch angesichts der aktuellen Infektionsentwicklung innerhalb der Risikogruppen in wenigen Tagen die Grenzen zu erreichen.

Es ist also von essenzieller Bedeutung, dass wir jetzt alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die Infektionszahlen nicht nur im Griff zu halten, sondern spürbar senken. Dies soll nicht nur mit den genannten Maßnahmen in den Senioreneinrichtungen erreicht werden, sondern auch durch weitere und ggf. noch mehr Disziplin in der Reduzierung der Kontakte im privaten Bereich. Denn dort liegen nach Einschätzung der Mediziner und Virologen sowie angesichts der im Moment verfolgbaren Infektionsketten die zweithöchsten Risiken unserer im Kreis Mettmann und in Langenfeld vermeldeten positiven Coronafälle.

Es wird sich zweifellos bereits von den meisten Menschen in unserer Stadt auf vorbildliche Weise an die notwendigen Maßnahmen gehalten. Die Kombination aus den leider dennoch bei einigen gezeigten Nachlässigkeiten in der Einhaltung der AHA-Regeln und der Kontaktvermeidung und der auch bei uns vermutlich bereits weiter als vermutet verbreiteten Virusmutation macht die Vorsicht und die Disziplin zu noch wichtigeren Begleitern in unserem leider weiterhin anhaltenden Corona-Alltag.

Ich bitte Sie daher nochmals und inständiger denn je, diese Vorsicht und Disziplin zu beherzigen und zu leben.

Ein bedeutender Baustein auf unserem Weg aus der Corona-Krise ist die bereits begonnene Impfung. 

Hier kann der Kreis derzeit leider nur einige Tausend begrenzte Dosen verabreichen, die ihm zur Verfügung stehen und wie wir alle auf eine zügige Nachlieferung bauen. Mit der Zulassung eines weiteren Impfstoffes steigt die Hoffnung auf eine Beschleunigung der Verfügbarkeit. Dennoch müssen wir alle uns zwangsläufig in Geduld üben.

Was die Versorgung der älteren nicht mehr mobilen Generation und der Risikogruppen angeht, ist einmal mehr die Hilfsbereitschaft der Menschen im direkten Umfeld gefragt. Gefragt ist hier die Unterstützung für die Fahrt der älteren, nicht mehr mobilen Menschen zum Impfzentrum nach Erkrath - selbstverständlich stets unter größtmöglicher Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregeln.

Darüber hinaus bereiten wir gerade im Schulterschluss mit dem Kreis Mettmann Informationen über mögliche Unterstützungsangebote vor, was die Erreichbarkeit des zentralen Impfzentrums in Erkrath angeht. Dazu gehört die Vermittlung von Kontakten zu Mitfahrgelegenheiten.

Lassen Sie uns bitte weiterhin Tag für Tag daran mitwirken, dass das Virus, ungeachtet in welcher mutierten Form, wenig oder möglichst keine Gelegenheit bekommt, sich weiter zu verbreiten.

Der Weg dorthin wird sicherlich noch lang und auch nicht ohne weitere Entbehrungen sein, aber er ist die einzige Chance auf eine Rückkehr zu einem Stück Normalität, wann immer diese auch erreicht sein mag.

Was die jüngsten Ankündigungen unserer Kanzlerin bezogen auf die jetzt schon befürchtete Verlängerung des Lockdowns womöglich bis Ostern angeht, vertrete ich die Auffassung, dass uns ein kürzerer, noch strengerer Shutdown auf Dauer eher dienen würde, als der nicht wirklich stringente Weg des derzeitigen Lockdowns, der in verschiedener Ausprägung schon seit Anfang November andauert und angesichts der Infektions- und Todeszahlen bislang nicht den notwendigen Effekt erreicht.

Ein solches Vorgehen wäre nach meiner Auffassung sowohl vor dem Hintergrund der offenbar noch ansteckenderen Virusmutation dringend angebracht, als auch mit dem Blick auf die Menschen in Gastronomie, Handel und Wirtschaft. Für die vielen Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, habe ich großes Verständnis. Ich glaube und hoffe, auch in ihrem Sinne zu sprechen, wenn ich die Auffassung vertrete, dass ein kürzeres, sicherlich schmerzhaftes komplettes Herunterfahren für wenige Wochen mit der Aussicht auf daran anschließende Lockerungen besser zu verkraften wäre, als die Perspektive auf eine monatelange Durststrecke, für die bei vielen die Puste nicht reichen könnte.

In der Hoffnung auf Ihre weitere Bereitschaft zu Vorsicht, Disziplin, Geduld und Hilfsbereitschaft appelliere ich nochmals an Ihre Mitwirkung zum Wohle der Gemeinschaft.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Frank Schneider
Frank Schneider
Bürgermeister der
Stadt Langenfeld